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Sportliche und bürokratische Hürdenläufe

Physiotherapeut Peter Müller bei der WM in Peking.
Im Teamwork auf Medaillenjagd: Peter Müller mit deutschen Sportlern vor dem WM-Stadion "Vogelnest".

Physiotherapeut Peter Müller aus dem St. Josef-Stift war bei WM in Peking

Erfolg misst sich in der Leichtathletik in Bronze, Silber und Gold. Entscheidend sind oft nur Zehntelsekunden und Zentimeter, die Sieg von Niederlage, die den Gipfel des Glücks vom Tal der Tränen trennen. Ganz nah dran ist Peter Müller, leitender Physiotherapeut im St. Josef-Stift Sendenhorst, das Kooperationspartner des Olympiastützpunktes Westfalen ist. Im August begleitete Müller zur WM 2015 in Peking den deutschen Nationalkader mit rund 80 Leichtathleten: ein Wechselbad der Gefühle und sehr viel harte Arbeit für Sportler wie Begleitteam, am Ende freuten sich alle zusammen über acht Medaillen.

Der Auftakt bot schon reichlich Aufregung: Das China-Visum des Teams verfiel schon auf der Reise nach Südkorea ins Vorbereitungslager, weil der Flieger einen Zwischenstopp in Peking einlegte. „Das war ein riesenlogistischer Aufwand über das Auswärtige Amt und die deutsche Botschaft in Peking im Eilverfahren für alle neue Papiere zu besorgen“, erzählt Müller. „Alle standen ohnehin schon wahnsinnig unter Strom, und dann kam dieser Papierkrieg noch oben drauf!“

Trotzdem verlief das Trainingslager auf der südkoreanischen Insel Jeju in guter und harmonischer Atmosphäre. „Die Stimmung unter den Sportlern und dem medizinischen Team war sehr gut. Wir konnten die Woche gut zur Akklimatisierung nutzen und uns ein Bild vom Gesundheitszustand der Sportler machen.“ Am Tag vor dem Weiterflug nach Peking trudelten dann just in time die neuen Visa ein; die Teilnahme an der WM war damit gerettet.

Die Ruhe und Beschaulichkeit der Vorbereitungswoche war mit der Ankunft in der Millionen-Metropole Peking schlagartig vorbei. Das Wettkampfhotel mit einem Speisesaal für 700 Menschen, blank liegende Nerven und hektische Betriebsamkeit bei allen Nationalteams forderte von Sportlern wie Betreuern eine Menge Professionalität und Nervenstärke. „In dieser Phase schwand die Leichtigkeit des Trainingslagers, die Konzentration nahm zu, und jeder geht damit anders um“, so Müller. Somit war sehr viel Fingerspitzengefühl gefordert, welcher Sportler in dieser sensiblen Phase eine Aufmunterung vertragen kann und wen man in seiner Konzentration auf den Wettkampf besser in Ruhe ließ.

„Es gab diesmal auffällig wenig muskuläre Probleme und Verletzungen“, resümiert Peter Müller. Trotzdem hatten er und seine neun Physio-Kollegen lange Tage. In aller Herrgottsfrühe ging es los, die letzte Anwendung war meist um Mitternacht und das Ende der täglichen Sitzung des medizinischen Teams erst um zwei Uhr morgens. Präsenz der Physiotherapeuten war im Hotel, im Trainingsstadion, auf dem Einlaufplatz und während des Wettkampfs in der Mixed Zone des markanten Stadions, dem „Vogelnest“, erforderlich. „Ich habe diesmal gar nichts von der Stadt sehen können“, blickt Müller auf eng getaktete Tage zurück. Aber Job ist Job.

Der schönste Lohn war die Medaillenernte und der Zusammenhalt im Team. „Das medizinische Team ist sehr nah dran, und es ist einfach schön, wenn man den Erfolg zusammen feiern kann.“ Nach dem Wettkampf ist aber immer vor dem Wettkampf. Und so hat Peter Müller bereits die Olympiade 2016 in Rio de Janeiro im Blick. Die nächsten Etappen zu olympischen Medaillenhoffnungen sind Südafrika, Teneriffa, Florida, Philadelphia und Bahamas, wo Trainingslager und Vorbereitungswettkämpfe steigen.