Behandlungsangebote

Klinik für Rheumatologie
 

Rheuma: Patientenindividuelle Ausrichtung der Therapie

Gerade in der Rheumatologie führt nur eine individuell auf jeden einzelnen Patienten abgestimmte Kombination der verschiedenen Therapieelemente zu nachhaltig guten Therapieerfolgen. Dies ist in der erforderlichen Intensität häufig nur im stationären Behandlungsrahmen eines spezialisierten Zentrums möglich.

Für die erfolgreiche Langzeit-Therapie entzündlich-rheumatischer Erkrankungen stehen heute neue Konzepte zur Kombination langfristig wirksamer Basistherapeutika und innovativer Medikamente zur Verfügung. Diese werden gemeinsam mit dem Patienten und den ambulant betreuenden Ärzten abgestimmt und nach intensiver Information und Aufklärung zur Besserung der entzündlichen Krankheitssymptomatik und zum Erreichen einer Remission, einem Zur-Ruhe-Kommen der Erkrankung eingesetzt.

Auf dem Gebiet der physikalischen Therapie verfügt das St. Josef-Stift Sendenhorst in seinem Therapiezentrum über optimale Vorrausetzungen zur Verbesserung der Funktion der Gelenke und der Wirbelsäule sowie zur Linderung von Beschwerden. Auf dem Gebiet der Ganzkörperkältetherapie entstand im St. Josef-Stift bereits 1984 die damals in Europa erste Kältekammer. Auch heute steht den Patienten eine moderne Kältekammer mit weiter verbesserten Therapiebedingungen und Temperaturen von bis zu minus 120° C zur Verfügung.

Zur Senkung der Schmerzen und zur Verringerung der Entzündung in den Gelenken werden lokale, auf das jeweilige Gelenk fokussierte Therapiemaßnahmen angeboten. Die Klinik für Rheumatologie hat dabei die bundesweit umfangreichsten Erfahrungen mit der Durchführung chemischer Synoviorthesen (Verödungstherapie der Gelenkinnenhaut) sowie  Glukokortikoid-Injektionen (direkte Behandlung der Gelenke mit Kortison, ohne zu starke Belastung des ganzen Körpers mit Kortison). Bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen greifen die veränderten Zellen der Gelenkinnenhaut Knorpel und Knochen an und führen bei ungebremstem Krankheitsverlauf zur Zerstörung der Gelenke. Mit der chemischen Synoviorthese werden diese pathologischen Zellstrukturen abgebaut, die Entzündung bildet  sich zurück und ein normales Gelenk-Milieu mit neuen Synovialzellen baut sich auf. Die Gelenkfunktion kann wieder deutlich gebessert werden.

Abgerundet wird die Therapie-Palette durch eine speziell auf Rheumapatienten ausgerichtete Ergotherapie und eine auf rheumatische Erkrankungen spezialisierte psychologische und sozialmedizinische Betreuung. Die einzelnen Fachabteilungen des Hauses arbeiten interdisziplinär eng zusammen, um sowohl internistische als auch orthopädische Probleme der Rheumapatienten zu lösen. Die für eine Fachklinik erforderlichen speziellen Diagnose-Verfahren sind im Hause etabliert.

 

Behandlung rheumatischer Erkrankungen bei Erwachsenen

  • Chronische Polyarthritis (Rheumatoide Arthritis)
  • Fibromyalgie-Syndrom
  • Psoriasis-Arthritis
  • Spondylitis ankylopoetica (Morbus Bechterew)
  • Reaktive Arthritiden
  • Entzündlich-systemische Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen)
  • Vaskulitiden (rheumatische Gefäßerkrankungen)
  • Osteoporose
  • Übergangsrheumatologie (Transitionsstation)
  • Rheuma und Kinderwunsch


 
Rheumatoide Arthritis

1. Ursachen und Symptome der Rheumatoiden Arthritis

Die genaue Ursache der Rheumatoiden Arthritis (auch: chronische Polyarthritis) ist bis heute nicht geklärt.  Wichtige Aspekte bei der Entstehung der Erkrankung sind aber bekannt:

  • Genetik: Die Rheumatoide Arthritis wird nicht direkt vererbt, aber es gibt genetische Voraussetzungen für den Ausbruch der Erkrankung (deshalb kommt die RA in manchen Familien gehäuft vor)
  • Risiken für die Rheumatoide Arthritis: Rauchen, Umweltverschmutzung, Übergewicht u.a.
  • Symptome: Gelenkschwellungen durch Entzündung der Gelenkinnenhaut, Morgensteife der Gelenke, allgemeines Krankheitsgefühl, Rheumaknoten, im Verlauf eingeschränkte Beweglichkeit der Gelenke, Gelenkzerstörung (auch im Röntgenbild sichtbar), Beteiligung von inneren Organen und Blutgefäßen.

Die Rheumatoide Arthritis ist eine häufige Erkrankung. Wichtige Merksätze:

  • 0,8 % der Bevölkerung sind betroffen.
  • 2 % der über 60-Jährigen
  • 75 % der Erkrankten sind Frauen.
  • Die RA kann in jedem Lebensalter auftreten, am häufigsten beginnt sie zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr.
  • Im Kinder- und Jugendalter wird das Krankheitsbild juvenile chronische Arthritis genannt.
  • Für Jugendliche im Übergang ins Erwachsenenalter gibt es im St. Josef-Stift Sendenhorst die „Übergangsrheumatologie“.

Die RA verläuft oft aggressiv:

  • Nicht selten werden Gelenke schon in frühen Krankheitsstadien zerstört, deshalb ist eine frühe Diagnose wichtig.
  • Innere Organe und Blutgefäße sind bei vielen Patienten mitbetroffen.
  • Schmerzen beeinträchtigen Patienten mit chronischer Polyarthritis häufig stärker als z.B. Patienten mit Herzerkrankungen.


2. Diagnostik der Rheumatoiden Arthritis


Am wichtigsten bei der Diagnose der Rheumatoiden Arthritis ist die Erhebung der rheumatologischen Krankengeschichte (Rheuma-Anamnese) sowie eine ausführliche körperliche Untersuchung. Darüber hinaus sind von Bedeutung:

  • Laboruntersuchungen: Rheumafaktoren, CCP-Antikörper (der „neue“ Rheumafaktor), Entzündungswerte (BSG, CRP), Untersuchung der Gelenkflüssigkeit (Synovia-Analyse) bei stark geschwollenen großen Gelenken u.a.
  • Bildgebung: Ultraschalluntersuchung der Gelenke (Arthrosonographie), Röntgen, seltener Magnetresonanztomographie, Computertomographie, Knochenscintigramm, Osteodensitometrie (DEXA-Methode).

Alle diese wichtigen diagnostischen Verfahren stehen im St. Josef-Stift in der Klinik für Rheumatologie zur Verfügung und werden mit langjähriger spezialisierter Erfahrung durchgeführt.

Wichtige Merksätze zur frühen Diagnostik der RA:

  • Rheumatologen können früh die Diagnose einer RA stellen.
  • Rheumatologen können heute früh die Prognose (den wahrscheinlichen Krankheitsverlauf) einer RA einschätzen.
  • Patienten können heute früh bei der Diagnostik mithelfen: Fragebogen zur Früherkennung im Internet: www.rheuma-check.de


3. Behandlungsmöglichkeiten der Rheumatoiden Arthritits

Zur Therapie der RA stehen heute viele Möglichkeiten zur Verfügung, die ambulant oder stationär eingesetzt werden können.  In einer Rheumafachklinik wie dem St. Josef-Stift  Sendenhorst können stationär viele Maßnahmen mit mehr Zeit durchgeführt werden, die ambulant nicht oder nicht ausreichend genug eingesetzt werden können:

  • intensive Aufklärung, Information und Schulung zur Erkrankung
  • genaue diagnostische Abklärung ohne Zeitdruck und unter Einbeziehung der Vordiagnostik
  • optimale medikamentöse Therapie und Schulung der Patienten über die unterschiedlichen Medikamente und Medikamentengruppen
  • Insbesondere die Basistherapie-Einstellung ist bei der RA entscheidend und wird im St. Josef-Stift nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen gemeinsam mit dem Patienten und dem ambulant betreuenden Rheumatologen geplant und eingeleitet
  • Ganzkörperkältetherapie in der Kältekammer bei bis zu -120° C und weitere intensive physikalische und physiotherapeutische Maßnahmen inklusive Ergotherapie
  • lokale Therapiemaßnahmen wie Kortison-Injektionen und chemische Synoviorthesen (Verödungsbehandlung der Gelenkinnenhaut) zur raschen Schmerz- und Funktionsverbesserung
  • Intensive Zusammenarbeit mit der Klinik für Rheumaorthopädie (Dr. Bause): Wenn Gelenke durch die rheumatische Entzündung geschädigt sind, kann über spezielle orthopädische Therapien wie Orthesen und Operationen beraten werden.
  • Therapie der RA bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft: spezielle Beratung zur medikamentösen Therapie und weiteren Optionen

Wichtige Merksätze zur Behandlung der RA:

  • Eine frühe Behandlung führt zu einem besseren Verlauf und weniger Schmerzen.
  • Eine frühe Behandlung stoppt oder verringert die Gelenkzerstörung.
  • Eine frühe Behandlung verbessert die Lebensqualität.
  • Eine konsequente Therapie und Kontrolle des Therapieerfolges führt wissenschaftlich belegt zu den besten Ergebnissen und Krankheitsverläufen. Dies gelingt besonders nach initial  festgelegtem Therapieziel, z.B. Remission oder niedrige Krankheitsaktivität (gemessen mit z.B. dem Krankheits-Aktivitäs-Score DAS28).
  • Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Rheumaorthopädie ist im weiteren Krankheitsverlauf essentiell.


4. Wie geht es nach der stationären Behandlung weiter?

Der ambulante Rheumatologe und der Hausarzt übernehmen die Behandlung mit Laborkontrollen und Überprüfung der Therapie und des weiteren Krankheitsverlaufes.

Wichtig: Der Patient ist so gut über die RA, seine Therapie sowie die erforderlichen Therapiekontrollen informiert, dass er die Ärzte unterstützen kann und selbst die Therapie mit kontrolliert. 

Weitere ausführliche Informationen zum Krankheitsbild:
Rheuma-Liga NRW: www.rheuma-liga-nrw.de
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie: www.dgrh.de

 
Fibromyalgie-Syndrom

Fibromyalgie-Syndrom

1. Ursachen und Symptome des Fibromyalgie-Syndroms

Das Fibromyalgie-Syndrom (Abkürzung: FMS) ist eine chronische Schmerzerkrankung mit Beschwerden am ganzen Körper, hauptsächlich an den Muskel-Sehnen-Übergangsstellen (z.B. an den Außen- und Innenseiten der Ellbogen oder der Kniegelenke etc.), aber auch mit zahlreichen vegetativen Begleitsymptomen wie zum Beispiel Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Schlafprobleme oder Verdauungsproblemen. Eine einzelne Ursache für die Beschwerden gibt es nicht, meist entwickelt sich die Erkrankung langsam im Verlauf von Monaten und Jahren.

Andere Beschwerden wie chronische Wirbelsäulenschmerzen, psychische Belastungssituationen und Stress, aber auch Traumatisierungen können bei der Entstehung des FMS eine wichtige Rolle spielen und müssen beachtet werden. Aufgrund der engen Zusammenhänge von körperlichen und psychischen Ursachen und Symptomen wird das FMS von psychosomatisch-orientierten Ärzten oder Psychologen auch als somatoforme Schmerzerkrankung bezeichnet.


2. Diagnostik des Fibromyalgie-Syndroms

Bei kaum einer anderen Erkrankung des Bewegungssystems ist die zeitlich oft aufwändige Erhebung der rheumatologischen Krankengeschichte (Rheuma-Anamnese) und die ausführliche körperliche Untersuchung so wichtig wie beim FMS. In der Klinik gibt es weniger Zeitdruck; mehrfache Gespräche zur Diagnostik, zur Information des Patienten und zu den Therapiemöglichkeiten sind bei der Aufnahme und den Visiten möglich. Der Rheumatologe kennt das Krankheitsbild genau und kann es gut von anderen rheumatologischen Erkrankungen abgrenzen.

Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren dienen meist dem Ausschluss anderer Erkrankungen, spezielle Laborwerte gibt es für das FMS nicht. Das Erfragen von Belastungssituationen und psychischem Stress sowie weiteren psychischen oder psychosomatischen Ursachen gehört zur Diagnostik dazu. Wichtig: Zur Diagnostik und Therapie des FMS gibt es heute eine medizinische, Evidenz-basierte Leitlinie, nach der sich Ärzte richten können, die aber auch für Patienten wertvolle Informationen enthält (Quelle siehe unten).


3. Behandlungsmöglichkeiten des Fibromyalgie-Syndroms

Die Therapie der Wahl beim FMS ist heutzutage eine multimodale Komplextherapie.  Dies beinhaltet mindestens zwei Fachdisziplinen (obligatorisch eine psychosomatische oder psychologische Disziplin) und ist durch die gleichzeitige Anwendung von mindestens drei aktiven Therapieverfahren unter ärztlicher Behandlungsleitung definiert: spezielle Physiotherapie, Entspannungsverfahren, Ergotherapie, medizinische Trainingstherapie,  Psychotherapie und andere Therapien. Insbesondere gehört in der Klinik für Rheumatologie die Schulung und Information der Patienten zu ihrem Krankheitsbild und den Therapiemöglichkeiten dazu.

Ein Therapieziel ist in der Klinik für Rheumatologie das Wiederlangen von Sicherheit und Selbstbewusstsein im Umgang mit den Krankheitssymptomen, um im weiteren Verlauf wieder besser im Alltagsleben bestehen zu können.


4. Wie geht es nach der stationären Behandlung weiter?

Patienten und Hausärzte, individuell unterstützt durch Rheumatologen, Psychologen oder Schmerztherapeuten bestimmen gemeinsam den weiteren Behandlungsverlauf. In der Regel ist der Hausarzt der Koordinator dieser interdisziplinären Zusammenarbeit, der Patient aber selbst ist entscheidend an der Therapie beteiligt und führt vieles nach guter Information und Schulung auch in Eigenregie durch.

Weitere ausführliche Informationen zum Krankheitsbild

Rheuma-Liga NRW: www.rheuma-liga-nrw.de
Deutsche Fibromyalgie-Vereinigung (DFV) e.V.: www.fibromyalgie-fms.de
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie: www.dgrh.de

 
Spondylitis ankylosans, auch genannt Morbus Bechterew

Spondylitis ankylosans, auch genannt Morbus Bechterew (Abkürzung SpA)

1. Ursachen und Symptome der Spondylitis ankylosans

Die eigentliche Ursache der Spondylitis ankylosans ist nicht bekannt, aber bei vielen Patienten spielt eine genetische Veranlagung (vor allem das Vorhandensein des genetischen Merkmals HLA-B 27) eine wichtige Rolle. Diskutiert wird seit vielen Jahren die Möglichkeit, dass bakterielle Infektionen bei der Auslösung der Spa beteiligt sind, aber ganz genau ist das auch heute noch nicht geklärt. Umweltfaktoren und Gewohnheiten wie Nikotinkonsum scheinen ebenso wie bei der rheumatoiden Arthritis bei der Entstehung der Erkrankung in Frage zu kommen.

Die Spondylitis ankylosans ist der Hauptvertreter aus der Krankheitsgruppe der Spondyloarthritiden, zu der unter anderem auch gehören: Psoriasisarthritis und -spondyloarthritis, reaktive Arthritis/Spondyloarthritis, axiale, periphere und undifferenzierte Spondyloarthritis, enteropathische Spondyloarthritis (bei Morbus Crohn, Colitis ulcerosa).

Man nimmt heute an, dass Spondyloarthritiden insgesamt so häufig vorkommen wie die rheumatoide Arthritis, Männer sind aber häufiger betroffen als Frauen.

Symptome

Hauptsymptom bei allen Spondyloarthritiden ist der entzündliche Rückenschmerz, der vor dem 40. Lebensjahr beginnt.  Typisch ist ein frühmorgendlicher tiefsitzender Kreuzschmerz mit Besserung bei Bewegung, morgendlicher Steifigkeit der Wirbelsäule für mindestens 30 Minuten und in der Regel gutem Ansprechen auf Rheumaschmerzmittel (sogenannte Nicht-steroidale Antirheumatika, NSAR). Zusätzlich können periphere Gelenke beteiligt sein, bevorzugt die unteren Extremitätengelenke. Das Befallsmuster ist oft asymmetrisch (im Unterschied zur rheumatoiden Arthritis, die meist symmetrisch die Gelenke betrifft).


2. Diagnostik der Spondylitis ankylosans

  • Am wichtigsten (wie bei der rheumatoiden Arthritis): Erhebung der rheumatologischen Krankengeschichte (Rheuma-Anamnese) und ausführliche körperliche Untersuchung
  • Laboruntersuchungen: HLA-B 27, Entzündungsmerkmale wie BSG, CRP, u.a.
  • Bildgebung: Röntgenuntersuchungen der Wirbelsäule und der Kreuzdarmbeingelenke (Sakroiliakalgelenke) und zur Früherkennung besonders wichtig die Magnetresonanztomographie (MRT) der Sakroiliakalgelenke
  • Ultraschalluntersuchung, wenn periphere Gelenke betroffen sind
  • Knochendichtemessung, Osteodensitometrie (DEXA-Methode): Im Verlauf verringert sich oft die Knochenmasse, es entsteht eine Osteoporose oder eine Vorstufe davon, eine Osteopenie. Eine Früherkennung und frühe Therapie bzw. Prophylaxe dieser Knochenveränderungen ist sehr wichtig.


3. Behandlungsmöglichkeiten der Spondylitis ankylosans

  • medikamentöse Therapie mit Rheumaschmerzmitteln (sogenannte Nicht-steroidale Antirheumatika, NSAR), mit Basismedikamenten wie Sulfasalazin und heute insbesondere Biologika wie TNF-Antagonisten bei schweren Verläufen mit hoher Entzündungsaktivität
  • Wichtig: intensive Krankengymnastik und physikalische Therapiemaßnahmen, u.a. auch Kryotherapien (Kälteanwendungen) wie die Ganzkörperkältetherapie in einer Kältekammer bei Temperaturen bis zu – 120° Celsius . Im St. Josef-Stift gibt es seit 30 Jahren Erfahrung mit der Ganzkörperkältetherapie bei Morbus Bechterew mit oft erstaunlich gutem Ansprechen auf die Beschwerden und die Beweglichkeit der Wirbelsäule.
  • lokale Therapiemaßnahmen wie Kortison-Injektionen in  die entzündeten Kreuzdarmbeingelenke (zur genau gezielten Injektion unter Röntgendurchleuchtung, Erfahrungen hiermit seit über 30 Jahren) und in periphere betroffene Gelenke.
  • Informationen der Patienten über ihr Krankheitsbild und die möglichen Therapieoptionen


4. Wie geht es nach der stationären Behandlung weiter?

Im ambulanten Bereich übernehmen der niedergelassene Rheumatologe und der Hausarzt die Behandlung. Bei speziellen Therapie-Einstellungen wie z.B. mit Biologika wird die Medikation während des stationären Aufenthaltes mit dem Rheumatologen beraten und abgestimmt, so dass die Verordnung der Medikamente und die Therapieüberwachung zu Hause ohne Probleme weiter erfolgen kann. Der Patient hat seine Erkrankung gut kennengelernt und führt die Krankengymnastik intensiv weiter, in Eigenregie oder nach Beratung und Untersuchung mit den niedergelassenen Ärzten auch unter Anleitung.

Weitere ausführliche Informationen zum Krankheitsbild

Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew e.V.: www.bechterew.de
Rheuma-Liga NRW: www.rheuma-liga-nrw.de
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie: www.dgrh.de
Assessment of SpondyloArthritis international Society: www.asas-group.org

 
Entzündlich-systemische Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen) und Vaskulitiden

Systemisch-entzündliche Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen) und Vaskulitiden

1. Ursachen und Symptome
 
Unter entzündlich-systemischen Bindegewebserkrankungen (früher „Kollagenosen“ genannt) versteht man eine ganze Reihe von Krankheitsbildern mit sehr unterschiedlichen Symptomen. Gemeinsam sind Entzündungen des Bindegewebes und meist starke Entzündungszeichen und spezielle Antikörper im Blut (im Labor zu bestimmen):

  • systemischer Lupus erythematodes (SLE)
  • Sjögren-Syndrom
  • systemische Sklerose, auch Sklerodermie genannt
  • CREST-Syndrom
  • Dermato-/Polymyositis (vorwiegend Haut und Muskeln betreffend)
  • Mischkollagenose (Sharp-Syndrom) u.a.

Vaskulitiden zeichnen sich dadurch aus, dass die Blutgefäße das Ziel der Entzündungsreaktion sind. Vaskulitis heißt auf Deutsch auch Gefäßentzündung.  Je nach Größe der hauptsächlich befallenen Blutgefäße werden die Vaskulitiden eingeteilt: 

  • Vaskulitis größerer Gefäße: Riesenzellarteriitis,  Takayasu Arteriitis
  • Vaskulitis mittlerer Gefäße: Polyarteriitis nodosa, Kawasaki Erkrankung
  • Vaskulitis kleinerer Gefäße: Granulomatose mit Polyangiitis (früher Wegener’sche Granulomatose), Mikroskopische Polyangiitis, Eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (Churg-Strauss), Immun-Komplex-Vaskulitis, Anti–glomeruläre Basalmembran-Erkrankung, Kryoglobulinämische Vaskulitis u.a.
  • Vaskulitis mit variabler Gefäßgröße: Behçet-Erkrankung, Cogan-Syndrom

Alle diese Erkrankungen sind sogenannte Autoimmunerkrankungen, bei denen sich Teile des fehlregulierten, überaktiven Immunsystems gegen Bestandteile des eigenen Körpers richten. Betroffen sind dann oft Gelenke, Muskeln, Haut, Blutgefäße, innere Organe wie die Nieren, die Lunge, das Herz, aber auch die  Augen, das Hals-Nasen-Ohren-System, das zentrale Nervensystem und weitere. Einzelheiten dazu können den unten angegebenen Quellen entnommen werden.


2. Diagnostik

Gerade bei diesen Erkrankungen mit vielfältigen unterschiedlichen Symptomen ist die rheumatologische Krankengeschichte (Rheuma-Anamnese) und ausführliche körperliche Untersuchung extrem wichtig. Der Rheumatologe kennt diese Krankheitsbilder am besten und kann schon aus den Angaben des Patienten und aufgrund der Untersuchung die Diagnose vermuten oder schon festlegen. Dazu kommen spezielle Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Kapillarmikroskopie, Röntgen und eventuelle Schnittbildverfahren wie Computertomographie oder Magnetresonanztomographie.

In einigen Fällen müssen auch Gewebeproben (Biopsien) der Haut, der Blutgefäße oder anderer Organe mikroskopisch beim spezialisierten Pathologen untersucht werden,  um die Diagnose zu sichern. Da bei diesen Erkrankungen oft Kortison eingenommen werden muss, wird erforderlichenfalls eine Knochendichtemessung (Osteodensitometrie, DEXA-Methode) zur Diagnostik eingesetzt.


3. Behandlungsmöglichkeiten

  • In vielen Fällen muss am Anfang der Therapie mit Kortison behandelt werden,  um die starke Entzündungsreaktion rasch zu mildern.
  • frühzeitiger Einsatz von Basismedikamenten bzw. Immunsuppressiva, um Kortison einzusparen und die Erkrankung möglichst zur Ruhe zu bringen (eine Remission zu erreichen).
  • Wichtig: Der Patient muss über seine Erkrankung gut informiert sein, und seine Medikation mit ihrer Wirkung und evt. Nebenwirkungen kennen. Dies kann besonders ausführlich während eines stationären Aufenthaltes erfolgen, da hier alle Informationen und Erfahrungen zu diesen komplexen Krankheitsbildern vorhanden sind.
  • Therapie in der Schwangerschaft: spezielle Beratung zur medikamentösen Therapie und weiteren Therapieoptionen


4. Wie geht es nach der stationären Behandlung weiter?

Die Therapie wird mit dem wohnortnah weiterbehandelnden Rheumatologen beraten und abgesprochen. Bei der Entlassung wird ein Arztbrief mitgegeben, so dass die Behandlung ohne Informationslücken ambulant weitergehen kann.

Weitere ausführliche Informationen zu den Krankheitsbildern (Auswahl)

 
Osteoporose (Knochenschwund)

Osteoporose (Knochenschwund)

1. Ursachen und Symptome der Osteoporose

Osteoporose wird landläufig Knochenschwund genannt und ist eine chronisch verlaufende Erkrankung, die den Knochen porös und damit brüchig macht. Knochen sind ein lebendes Gewebe, das ein Leben lang auf-, um- und wieder abgebaut wird. Knochen und Muskeln bilden eine Einheit. Ihr Zusammenspiel und die Beanspruchung des Knochens durch Bewegung und Zugkräfte wirken auf den Knochenstoffwechsel ein. Wenn das Gleichgewicht zwischen Knochenaufbau und –abbau gestört ist, entsteht Osteoporose.

Ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung von Osteoporose bei Frauen ist Östrogenmangel, insbesondere in Folge der Wechseljahre. Somit sind Frauen wesentlich häufiger von Osteoporose betroffen als Männer. Mit dem Alter steigt für beide Geschlechter das Risiko von Knochenbrüchen. Diese hormonell- und altersbedingte Form der Erkrankung wird primäre Osteoporose genannt.

Darüber hinaus gibt es die so genannte sekundäre Osteoporose, die Folge einer Erkrankung ist (z.B. Diabetes, entzündliche Rheumaerkrankungen oder Herzinsuffizienz) oder durch bestimmte Medikamente hervorgerufen und begünstigt wird. Gerade Rheumapatienten haben ein erhöhtes Osteoporose-Risiko: zum einen durch die körpereigenen Entzündungsstoffe, die zu Veränderungen der Knochenstruktur und als Folge der Rheumaschmerzen zu Bewegungsmangel führen können; zum anderen durch die Behandlung der entzündlichen Prozesse mit Kortison.

Das Tückische an Osteoporose ist, dass sie vor dem Auftreten eines Knochenbruches (Fraktur) nicht weh tut, die Folgen aber gravierend sein können. Brüche an Wirbelkörpern oder am Oberschenkelhals sind sehr schmerzhaft und schränken die Lebensqualität stark ein. Womöglich  können sie auch den Verlust der Mobilität und der Eigenständigkeit bedeuten bis hin zu Bettlägerigkeit und Tod .

Die Risikofaktoren im Überblick:

  • Alter, Geschlecht und Veranlagung, z.B. bei Frauen in den Wechseljahren (Menopause, durch Abfall des Östrogenspiegels)
  • bestimmte Erkrankungen, darunter entzündlich-rheumatische Erkrankungen
  • eine längerfristige Kortison-Therapie in Form von Tabletten, wie es bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen oder bei Asthma häufig erforderlich ist
  • Medikamente gegen Brustkrebs (Aromatasehemmer), Depressionen, Diabetes und Epilepsie; zudem kortisonhaltige Sprays (z.B. Asthmasprays), überdosierte Schilddrüsenhormone sowie Magenschutzmittel (Protonpumpenhemmer)
  • Bewegungsmangel, z.B. infolge von Schmerzen bei rheumatischen Erkrankungen, und dadurch bedingter herabgesetzter Belastung des Knochens
  • Untergewicht (Body Mass Index unter 20)
  • Alkohol und Rauchen
  • verminderte Kalzium-Zufuhr mit der Nahrung
  • Mangel an Vitamin D, das vor allem für die Kalzium-Aufnahme im Magen-Darm-Trakt notwendig ist. Zwei Hauptgründe kommen hier in Betracht: 

    - eine verminderte Vitamin-D-Aktivierung durch unzureichenden Sonnenlichtkontakt. Dieser ist notwendig um eine Vorstufe des Vitamin D in die aktive wirksame Form zu überführen

    - eine verminderte Vitamin-D-Zufuhr mit der Nahrung oder eine verminderte Vitamin D-Aufnahme (Resorption) im Magen-Darm-Trakt

2. Diagnose von Osteoporose

Zur Basisdiagnostik der Osteoporose gehört zunächst eine gründliche Anamnese, eine körperliche Untersuchung und die Ermittlung relevanter Blutwerte im Labor. Mit der spezifischen Knochendichtemessung (DEXA) kann mit gering dosierten Röntgenstrahlen eine Osteoporose oder eine Vorstufe (Osteopenie) entdeckt und das Risiko für Knochenbrüche vorhergesagt werden. In besonderen Fällen kommt auch eine Knochenbiopsie, also eine Knochenprobenentnahme aus dem Beckenkamm, in Frage. Diese spezielle Untersuchung wird ebenfalls in der Klinik für Rheumatologie angeboten.

3. Behandlungsmöglichkeiten der Osteoporose

Menschen, die von Osteoporose betroffen sind oder ihr Risiko mindern möchten, können sehr viel selber für die Gesundheit ihrer Knochen tun.

  • Ein wesentlicher Schlüssel für die Knochengesundheit ist ausreichende Bewegung. Dadurch wird der Knochenstoffwechsel angeregt, den Knochen aufzubauen und adäquat zur Belastung zu verstärken
  • Sonnenlicht fördert die Vitamin D-Bildung in der Haut. Dieses Vitamin ist wesentlich daran beteiligt, dass Kalzium aus der Nahrung (z.B. Käse und Milch) aufgenommen und dem Knochenstoffwechsel zugeführt werden kann. Insbesondere bei unzureichendem Sonnenlichtkontakt und dadurch bedingtem Mangel an aktiviertem Vitamin D ist die Einnahme von Vitamin D zu empfehlen (Ihr Arzt wird Sie hierzu beraten).
  • Verzicht auf Alkohol und Rauchen
  • Falls bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen eine Kortison-Therapie notwendig ist, sollte eine möglichst niedrige Dosis angestrebt bzw. die Kortison-Therapie möglichst zügig wieder „ausgeschlichen“ werden. Die Hauptvoraussetzung dafür ist bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen eine Optimierung der Basistherapie.
  • Überprüfung von Medikamenten und gegebenenfalls Ersatz durch Arzneien, die Osteoporose nicht fördern.

Ist eine Osteoporose nachgewiesen, kann eine spezifische Therapie die Folgen der Osteoporose lindern:

  • Besondere Medikamente in Tabletten- oder Spritzenform unterstützen den Knochenstoffwechsel und stärken damit die Knochenstruktur.
  • Vor allem in den Wintermonaten und in höherem Lebensalter sollte Vitamin D zusätzlich eingenommen werden. Eine ergänzende Einnahme von Kalzium wird heute nicht allgemein empfohlen, sondern nur bei zu geringer Zufuhr in der Nahrung.
  • Bei Frauen in den Wechseljahren sollte nach Rücksprache mit der Gynäkologin / dem Gynäkologen ein Ersatz der fehlenden Sexualhormone erfolgen, z.B. mit einem Östrogenpräparat.

Weiterführende Links:

Dachverband Osteologie: www.dv-osteologie.org

Deutsche Rheuma-Liga: www.rheuma-liga.de

Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e.V.:  www.osteoporose-deutschland.de

Bund der Osteologen Westfalen-Lippe e.V.: www.bdo-wl.de

 

 

 
Übergangsrheumatologie

Übergangsrheumatologie: ein gemeinsames Angebot der Klinik für Kinder- und Jugendrheumatologie  und der Klinik für Rheumatologie

Was bedeutet Übergangsrheumatologie?

In der Zeit des Erwachsenwerdens (auch Adoleszenz genannt) vollziehen sich wichtige Schritte: Die Schule wird abgeschlossen, eine Ausbildung, ein Studium, ein Beruf gewählt, der Auszug von zu Hause und die Lösung von den Eltern, eine Partnerschaft wird eingegangen usw.  Selbstständigkeit wird ein wichtiges Thema, neue Verantwortlichkeiten entstehen. Immer weniger sind es Eltern, Erzieher, Lehrer, Ärzte, die Entscheidungen treffen, immer mehr kommt es zu einem möglichst gleichberechtigten Verhältnis mit den Personen des Umfelds,  die Eigenverantwortlichkeit wächst.


Um jungen Menschen mit rheumatischen Erkrankungen den Übergang (engl. Transition) zu erleichtern, arbeiten in der Übergangsrheumatologie Ärzte, Pflegende und Therapeuten der Kinder- und Jugendrheumatologie und der „Erwachsenen“- (= internistischen) Rheumatologie eng zusammen. Übergang / Transition bedeutet dabei für uns, dass wir uns in der Behandlung an der individuellen Erkrankung und Entwicklung und den persönlichen Bedürfnissen der jungen Patienten orientieren.

Das Konzept

In der Zeit des Erwachsenwerdens erfolgt die Betreuung der Patienten auf unserer Station für Übergangsrheumatologie  C1 durch Mitarbeiter sowohl der Kinder- und Jugendrheumatologie als auch der „Erwachsenen“-Rheumatologie. So führen die Ärzte beider Kliniken gemeinsame Visiten durch, damit das Wissen über die Erkrankung und die bisherige Behandlung möglichst optimal weitergegeben und die Therapie gemeinsam geplant werden kann.

Bei der „Übergangs-Visite“ geht es um die individuellen Beschwerden, Wünsche, Befürchtungen und Fragen. Entscheidungen werden zusammen mit den Patienten (auf Wunsch eventuell auch gemeinsam mit den Eltern) getroffen. Bei akuten Problemen stehen Ärzte und Pflegende natürlich auch außerhalb der Übergangsvisite zur Verfügung. Die Pflegenden, Erzieherinnen, Psychologen, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten gehen besonders auf die Zeit des Übergangs ein, der ja nicht nur das rein Medizinische umfasst:

  • in Therapiegruppen speziell für junge Menschen mit rheumatischen Erkrankungen
  • in der Beratung bezüglich Problemen der Ausbildung und des Berufs
  • im Gespräch über persönliche Fragen
  • in Form von Freizeitangeboten

Wir verstehen uns dabei als ein Team mit dem gemeinsamen Ziel, die jungen Erwachsenen ernst zu nehmen, in dieser wichtigen Lebensphase zu unterstützen und den Übergang von der Betreuung durch die Kinder- und Jugendrheumatologie in die Betreuung durch die internistische Rheumatologie gezielt und strukturiert zu gestalten.

Die Übergangsrheumatologie-Station C1

Eine Hälfte der Station C1 im  Parkflügel des St. Josef-Stifts ist für die Übergangsrheumatologie vorgesehen, eine Etage über der Kinderrheumatologie-Station C0. Im Aufenthaltsraum der Station kann man sich treffen, klönen, spielen oder auch Video schauen. Auch die Möglichkeit, sich selber kleine Speisen zuzubereiten, ist gegeben. Von den Mitarbeitern der Station werden regelmäßig Angebote zur Freizeitgestaltung gemacht. Dabei ist uns ein vertrauensvolles „Wohlfühlklima“ wichtig.

Unsere Angebote

Pflege: die Pflegenden sind rund um die Uhr da, sind Ansprechpartner für Fragen und Probleme. Neben den fachlichen Aufgaben in Pflege und Medizin organisiert die Pflege den Tagesablauf auf der Station.

Physiotherapie und physikalische Therapie: Im Therapiezentrum wird Bewegung und Behagen groß geschrieben. Egal, ob einzeln oder in der Gruppe mit anderen jungen Menschen, ob im Wasser oder auf dem Trockenen – etwas Passendes ist für jeden dabei. Auch Massagen, Bäder und elektrotherapeutische Anwendungen gibt es. Nicht zu vergessen ist unser Fitnessraum für die Medizinische Trainingstherapie, in dem unter professioneller Anleitung an Geräten gearbeitet werden kann.

Ergotherapie: Hier geht es um Gelenkschutz, d.h. rheumatisch betroffene Gelenke zu schonen, aber effektiv zu nutzen, zum Beispiel im Beruf, im Haushalt, beim Sport, bei handwerklichen Hobbys. Eventuell sinnvolle Hilfsmittel werden erklärt. Insbesondere berufliche Tätigkeiten können konkret besprochen werden, bis hin zur gelenkschonenden Arbeitsplatzgestaltung.

Sozialdienst: In Einzelgesprächen und Kleingruppen werden jede Menge Informationen und Unterstützung zu diesem Thema angeboten. Auch zu möglichem Nachteilsausgleich in Schule und Beruf wird beraten. Neben Berufstest und Bewerbungstraining können Fahrten ins Berufsinformationszentrum (BIZ) in Ahlen organisiert werden, um im Berufe-Dschungel einen eigenen Weg zu finden.

Psychologische Betreuung:  In einer vertraulichen Atmosphäre können mit den Psychologen dringliche Dinge  besprochen werden, beispielsweise zur Krankheitsbewältigung, Loslösung vom Elternhaus oder auch Sexualität. Auch bei der Bewältigung von Schmerzen kann der Psychologe helfen.

Patientenschulung: Wichtiges Hintergrundwissen über die Erkrankung werden in so genannten Patientenschulungen vermittelt, die monatlich stattfinden. Darüber hinaus wird die Wirkung der Medikamente sowie Sinn und Zweck der unterschiedlichen Therapien besprochen. Außerdem werden in den Schulungsgruppen psychologische Strategien der Krankheits- und Schmerzbewältigung vermittelt.

 
Kinderwunsch und Schwangerschaft bei Rheuma

Kinderwunsch und Schwangerschaft bei Rheuma

Eine rheumatische Erkrankung und ein erfüllter Kinderwunsch widersprechen sich nicht. Ganz im Gegenteil: Es ist möglich, gesunden Nachwuchs zu bekommen. Wichtig ist, über die Besonderheiten der Krankheit und der Medikamente informiert zu sein und die Schwangerschaft zu planen.

Rheumatische Erkrankungen als solche beeinflussen das ungeborene Kind nicht, Missbildungen als Folge der Krankheit sind nicht zu befürchten. Manchmal besteht ein erhöhtes Risiko für Fehl- oder Frühgeburten, wenn zum Beispiel die Erkrankung vor der Empfängnis sehr aktiv ist und viele Medikamente benötigt werden.

Bei Lupus und verwandten Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen), in seltenen Fällen auch bei entzündlichen Gelenkerkrankungen, können innere Organe betroffen sein. Damit daraus kein Problem für Mutter und Kind entsteht, ist vor einer Schwangerschaft eine sorgfältige Beratung und eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Hausarzt, dem Frauenarzt und dem Rheumatologen wichtig.

Eine gute Schwangerschaft mit Rheuma

Bei einer rheumatischen Erkrankung sollte eine Schwangerschaft gut geplant sein. Zum Zeitpunkt der Empfängnis ist es wichtig, dass die Krankheit in Remission ist, das heißt, dass eine möglichst geringe Krankheitsaktivität und damit ein deutlich geringeres Risiko für Fehl- oder Frühgeburten besteht.

Vor einer geplanten Schwangerschaft die Rheumamedikamente abzusetzen oder zu reduzieren, kann einen Krankheitsschub zur Folge haben. Viele Medikamente können auch während einer Schwangerschaft eingenommen werden, ohne dem ungeborenen Kind zu schaden. Besteht ein Kinderwunsch oder ist eine Schwangerschaft geplant, sollten Rheumapatientinnen und –patienten frühzeitig mit ihrem Rheumatologen sprechen. So kann der Arzt womöglich schon vor dem Start einer Basistherapie die Auswahl der Medikamente daraufhin abstimmen, damit sie die Schwangerschaft oder bei Männern die Samenzellbildung nicht beeinträchtigen.

Rheumamedikamente während der Schwangerschaft

Die Einnahme von geeigneten Rheumamedikamenten während der Schwangerschaft ist möglich und für die Kontrolle der Krankheitsaktivität sogar nötig. Internationale Studien machen heute hilfreiche Aussagen dazu, welche Medikamente Schwangere einnehmen können, ohne das ungeborene Kind zu beeinträchtigen. Die heutigen Empfehlungen unterscheiden sich oft von den früheren Vorgehensweisen, da die neue Datenlage den Medikamenten eine größere Sicherheit zuspricht.

  • Kortison: Eine Kortison-Therapie ist erlaubt. In der Tablettenform sollte eine möglichst geringe Dosierung benutzt werden. Auch Gelenkinjektionen mit Kortison können zum Einsatz kommen.
  • Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente: Arzneimittel wie beispielsweise Diclofenac und Ibuprofen können bis Ende des siebten Schwangerschaftsmonats eingenommen werden.  Für neuere Rheuma-Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Etoricoxib und Celecoxib liegen keine verlässlichen Erfahrungen während der Schwangerschaft vor. Sie sollten in dieser Zeit somit nicht eingenommen werden. Arzneien wie Novaminsulfon oder Paracetamol sind während der ganzen Schwangerschaft erlaubt.
  • Basistherapeutika: Bei den Basismedikamenten ist während einer Schwangerschaft die Einnahme von Sulfasalazin (bei zusätzlicher Gabe von Folsäure!), Azathioprin, Ciclosporin, Tacrolimus und Colchizin möglich. Das bei Bindegewebserkrankungen häufig eingesetzte (Hydroxy-)Chloroquin gilt nach internationalem Expertenstandard in der Schwangerschaft als unbedenklich. Für folgende Basistherapeutika wird bereits drei bis sechs Monate vor Beginn der Schwangerschaft ein Absetzen empfohlen: Methotrexat, Cyclophosphamid und Mycophenolat mofetil. Leflunomid sollte bereits zwei Jahre vor Beginn einer Schwangerschaft abgesetzt  oder bei kurzfristiger Notwendigkeit aus dem Körper ausgewaschen werden.
  • Biologika: Erfahrungen aus internationalen Registern erlauben einen Einsatz von TNF-alpha-Inhibitoren bis zum positiven Schwangerschaftstest. Etanercept und Certolizumab können bei sehr hoher Krankheitsaktivität in der gesamten Schwangerschaft eingesetzt werden. Zu anderen Biologika sind die Daten unzureichend, daher sollten diese Medikamente durch besser belegte Alternativen ersetzt werden.

Grundsätzlich empfiehlt es sich, schon vor einer geplanten Schwangerschaft mit dem behandelnden Rheumatologen und dem Frauenarzt zu besprechen, welche Rheumamedikamente während der Schwangerschaft zum Einsatz kommen können.

Geburt und Stillzeit

Auch für werdende Mütter mit Rheuma ist eine normale Geburt ihres Kindes möglich. Nehmen Sie die Angebote einer gezielten Geburtsvorbereitung und die enge Begleitung durch eine Hebamme in Anspruch.

Das ungeborene Kind wird durch die rheumatische Erkrankung der Mutter in der Regel nicht beeinträchtigt. Eine Ausnahme gibt es bei Lupus und anderen Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen). Hier kann ein Bluttest bei der Mutter Klarheit bringen: Hat sie bestimmte Antikörper im Blut, so kann eine Überwachung und Therapie das Kind noch im Mutterleib vor möglichen Schäden schützen.

Je geringer die Krankheitsaktivität zu Beginn der Schwangerschaft ist, desto ruhiger verläuft meist auch die Schwangerschaft selbst und die Zeit danach.

Für die Stillphase empfehlen sich ebenfalls eine sehr gute Begleitung sowie eine Information und eine Beratung darüber, welche Medikamente in welcher Dosierung erlaubt und möglich sind. Medikamente wie Kortison, Rheuma-Schmerzmittel, (Hydroxy-)Chloroquin, Azathioprin, Ciclosporin, Tacrolimus und Colchizin können in der Stillzeit fortgesetzt werden.

Die TNF-alpha-Inhibitoren Adalimumab, Certolizumab, Etanercept und Infliximab gehen nur sehr gering in die Muttermilch über. Die Eiweißmoleküle dieser Arzneien sind groß und werden im Magen-Darm-Trakt des Säuglings zerstört.

Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft Biologika bekommen haben, dürfen im ersten Lebensjahr nicht mit Lebendimpfstoffen geimpft werden (z.B. Rotaviren-Impfung).

Von Rheuma betroffene Männer mit Kinderwunsch

Eine Rheumaerkrankung schließt für betroffene Männer eine Vaterschaft nicht aus. Immer mehr Studien belegen, dass viele Rheumamedikamente eingenommen werden können, ohne die Fruchtbarkeit und die Samenzellbildung zu beeinträchtigen. Lediglich unter Sulfasalazin ist eine zeitlich begrenzte Verschlechterung der Spermienqualität möglich.

Für Basistherapeutika wie Methotrexat, Leflunomid und TNF-alpha-Inhibitoren liegen Daten zu Schwangerschaften nach väterlicher Therapie vor. Ein Absetzen scheint nicht generell notwendig. Dagegen wird vor einer Behandlung mit Cyclophosphamid eine Kryokonservierung von Sperma empfohlen.

Empfängnisverhütung – auch bei Rheuma ein wichtiges Thema

Bei einer rheumatischen Erkrankung sind bei der Empfängnisverhütung grundsätzlich alle Verhütungsmethoden möglich. Eine Ausnahme gilt bei der hormonellen Empfängnisverhütung mit der Anti-Baby-Pille: Pillen, die Östrogen enthalten, dürfen nicht eingenommen werden, wenn die Gerinnungsbereitschaft im Blut erhöht ist. Wahlweise kann dann auf die gestagenhaltige „Mini-Pille“ oder die Hormonspirale zurückgegriffen werden.

Die Wahl eines passenden Verhütungsmittels kann mit dem Rheumatologen und dem Frauenarzt abgestimmt werden.

Beratung rund um Kinderwunsch und Schwangerschaft

Frauen und Männer, die von einer rheumatischen Erkrankung betroffen sind und einen Kinderwunsch haben, können sich in der Ambulanz der Klinik für Rheumatologie im St. Josef-Stift Sendenhorst beraten lassen. Grundsätzlich steht die Erkrankung einer normal verlaufenden Schwangerschaft und einem gesunden Kind nicht im Wege. Wichtig ist aber eine gute Planung und enge Begleitung durch diese sensible Lebensphase. Für schwangere Rheumapatientinnen mit aktiver Erkrankung ist in enger Kooperation mit dem behandelnden Frauenarzt auch eine stationäre Aufnahme und Information möglich.

Für eine Beratung in unserer rheumatologischen Ambulanz ist eine Überweisung durch einen niedergelassenen Rheumatologen erforderlich.

  • Das St. Josef-Stift beteiligt sich am bundesweiten Rhekiss-Register, das vom Deutschen Rheumaforschungszentrum Berlin und dem Rheumazentrum Rhein-Ruhr geführt wird. Rhekiss steht für Rheuma, Kinderwunsch und Schwangerschaft und erforscht seltene Risiken für die werdende Mutter und ihr Kind. Patienten, die zur Beratung oder weiteren Behandlung in unsere Klinik kommen, können freiwillig an diesem Forschungsregister teilnehmen.

 

Weiterführende Links:

www.embryotox.de

www.rheuma-liga.de/schwanger

https://www.rhekiss.de

 

 

 
Verschleißerkrankungen der Gelenke (Arthrose)

Verschleißerkrankungen der Gelenke (Arthrosen)

1. Ursachen und Symptome

Verschleißerscheinungen der Gelenke (Arthrosen) und auch der Wirbelsäule (z.B. Bandscheibenprobleme, Arthrosen der Wirbelgelenke) entwickeln sich bei vielen Menschen im Verlauf des Lebens, je nach Veranlagung und Belastung der Gelenke und der Wirbelsäule früher oder später. Welche Faktoren darüber hinaus für Arthrosen verantwortlich sind, ist Gegenstand aktueller Forschung. In den meisten Fällen können leichtere Krankheitsbilder ambulant behandelt werden. Wenn bei ausgeprägten Erkrankungen ambulante Therapiemöglichkeiten beim Hausarzt und Orthopäden oder Rheumatologen ausgeschöpft sind, kann eine stationäre Therapie sinnvoll sein. Dies ist z.B. der Fall, wenn Gelenke weiter – trotz adäquater ambulanter Therapie – entzündliche Reizzustände aufweisen (aktivierte Arthrose), wenn differentialdiagnostische Probleme ambulant nicht geklärt werden können, wenn Schmerzzustände zu stark werden, wenn zu starke Funktionseinschränkungen eingetreten sind.

2. Diagnostik

  • klinische Untersuchung sowohl rheumatologisch als auch orthopädisch
  • Arthrosonographie, Röntgen, Magnetresonanztomographie, Computertomographie, Gelenkscintigraphie u.a. soweit klinisch erforderlich
  • interdisziplinäre rheumatologisch-orthopädische diagnostische Beratung


3. Behandlungsmöglichkeiten

  • intensive multimodale Therapie mit Physiotherapie (einzeln und in der Gruppe), Kryotherapie (Ganzkörperkältetherapie und gezielte Stickstoff-Luft-Lokaltherapie), Elektrotherapie-Verfahren, Ergotherapie, Wärmeanwendungen (individuell alternativ oder ergänzend zur Kryotherapie, je nach Lokalisation und Charakteristik der Beschwerden), u.a.
  • lokale Therapiemaßnahmen wie Kortison-Injektionen, Neuraltherapie
  • Beratung zu medikamentösen Therapiemöglichkeiten, Schmerztherapie
  • interdisziplinäre Beratung zu operativen Therapieoptionen in enger Konsultation mit den orthopädischen Kliniken im St. Josef-Stift Sendenhorst
  • Wenn die Wirbelsäule ganz im Vordergrund der Beschwerden steht, ist die Klinik für Wirbelsäulen-Chirurgie die kompetente Stelle im St. Josef-Stift, die ausschließlich auf Diagnostik und Therapie von Wirbelsäulenerkrankungen spezialisiert ist.


4. Wie geht es nach der stationären Behandlung weiter?

  • weitere Betreuung beim Hausarzt, Orthopäden oder Rheumatologen
  • Fortsetzung der erlernten Therapiemaßnahmen wie Krankengymnastik, Ergotherapie und physikalische Therapien in Eigenregie oder je nach Maßgabe der ambulanten Ärzte mit Unterstützung durch ambulante Physiotherapie


Weitere Informationen zum Krankheitsbild

Rheuma-Liga NRW: www.rheuma-liga-nrw.de
Deutsche Arthrose Selbsthilfe e.V.: www.arthrose.de