Gelenkverschleiß
Gelenkverschleiß ist eine der häufigsten Erkrankungen überhaupt und eine große Herausforderung für die Medizin der Gegenwart und der Zukunft. Nahezu jeder Mensch wird im Laufe seines Lebens einmal Gelenkbeschwerden entwickeln. Starke Schmerzen beeinträchtigen die Beweglichkeit und die Lebensqualität. Verspricht die ambulante Behandlung der Symptome des Gelenkverschleißes keine weitere Linderung der Schmerzen, erfolgt vielfach die Vorstellung in einer Klinik.

Was ist Arthrose?
Die Arthrose oder der Gelenkverschleiß stellt eine der häufigsten orthopädischen Erkrankungen im Alter dar.
Es kommt zu einer Abnutzung der Gelenkknorpelschicht an den Gelenkpartnern aufgrund eines Missverhältnisses zwischen Belastung und Belastungsfähigkeit des Gelenkknorpels.
Der natürliche Knorpel im Hüftgelenk ist ein sogenannter hyaliner Knorpel, der sich nicht von selbst wiederherstellt, sondern bei „Reparaturen“ einen Narbenknorpel bildet. Dieser sogenannte Faserknorpel ist qualitativ nicht so belastbar und weniger elastisch.
Durch die fehlende Elastizität wird der unter dem Knorpel liegende Knochen stärker belastet und bildet eine verdichtete Schicht (Sklerose) sowie kleine knöcherne Anbauten (Osteophyten), mit denen der Körper versucht, die schmerzhafte Bewegung des Gelenkes einzuschränken.
Schmerzen entstehen durch die begleitende Entzündung der Gelenkkapsel (Synovialitis).
Durch die Schmerzen und die eingeschränkte Beweglichkeit wird das Gelenk automatisch vermehrt geschont, es verliert an Elastizität, und es kommt zu Muskelabbau, Gangunsicherheit und geringerer Mobilität.
Häufig tritt zunächst ein Bewegungsschmerz auf, später ein Ruheschmerz, begleitet durch eine Gelenkschwellung und teilweise auch Reibegeräusche.
Konservative Behandlungsmöglichkeiten der Arthrose
Zu Beginn der Behandlung einer Arthrose sollte immer die konservative Therapie stehen - mit dem Ziel, das natürliche Gelenk so lange wie möglich zu erhalten. Hierbei handelt es sich um ein Zusammenspiel aus systemischer und lokaler Therapie mit medikamentöser, physikalischer und physiotherapeutischer Behandlung.
- Systemische medikamentöse Therapie mit nicht steroidalen Entzündungshemmern (Diclofenac, Ibuprofen, Celebrex, Arcoxia, etc.) sowie direkt wirkenden Schmerzmitteln (Metamizol; Opioide: Tramadol, Piritramid, Oxycodon, Palexia, Palladon, etc.)
- Akupunktur, Transkutane Elektroneurostimulation (TENS), Interferenzstrom, Homöopathie, Kinesiologie, etc.
- Physiotherapie, gezielte sportliche Betätigung und Wassergymnastik
- Ergänzende Therapie durch die Gabe von Mitteln, die die Knorpelstruktur unterstützen, wie etwa Hyaluronsäure, PRP-Therapie (Platelet-Rich-Plasma), Glucosamin, Chondroitinsulfat, etc..
- Orthetische Versorgung mit Schienen, Bandagen und Einlagen
- Kommt es zu keiner Besserung und besteht eine ausgeprägte Gelenkschleimhautentzündung mit Ergüssen, profitieren manche Patient:innen von einer Radiosynoviorthese.
Unsere Philosophie:
Die Gelenk- und Arthrosespezialisten der Klinik für Orthopädie und Traumatologie des St. Josef-Stiftes versuchen, das Gelenk so lange wie möglich zu erhalten. Erst wenn dies nicht mehr möglich sein sollte, erfolgt der Gelenkersatz mit besonders schonenden und minimalinvasiven Operationsverfahren.

Ambulante Voruntersuchung
Bereits in der Ambulanz der Klinik für Orthopädie und Traumatologie erfolgt eine detaillierte Untersuchung und Beratung durch den Orthopäden und den zuständigen Oberarzt oder Chefarzt. Dabei werden Sie über Alternativen, die konservative Therapie, die geplante Operation, den Zugang und die Implantate aufgeklärt. Sie erhalten bereits einen Aufklärungsbogen, den Sie bitte zur Operation wieder mitbringen, so dass wir Sie einen Tag vor der Operation ausführlich aufklären und Ihre Fragen beantworten können. Außerdem wird mit Ihnen besprochen, welche Voruntersuchungen noch durchgeführt und welche Laborwerte oder Unterlagen für die Operation noch vorgelegt werden müssen. Insbesondere wird mit Ihnen und in Zusammenarbeit mit Ihrer hausärztlichen Praxis analysiert, ob die Einnahme bestimmter Medikamente vor der Operation angepasst werden muss.
Arthrose des Hüftgelenkes / Künstliches Hüftgelenk
Wenn die Arthrose das Hüftgelenk betrifft, spricht man von einer Koxarthrose oder Hüftarthrose. Sollte es trotz einer konservativen Therapie zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität und des Alltages kommen, empfiehlt sich die Implantation eines künstlichen Hüftgelenkes. Den Zeitpunkt einer möglichen Operation bestimmen Sie selber - in enger Abstimmung mit dem Operateur.
Die Operation
Bei dem operativen Einsatz künstlicher Hüftgelenke sind der Zugang zum Gelenk und die zu implantierende Prothese wichtig. Der operative Zugang sollte die Auswahl der Prothese nicht beschränken. Bei der richtigen Wahl der Prothese spielen anatomische Verhältnisse, Voroperationen und Knochenqualität eine große Rolle. Dies wird mit Ihnen ausführlich bereits in der Ambulanz erörtert.
- In der Klinik für Orthopädie und Traumatologie des St. Josef-Stiftes wird in den aller meisten Fällen der minimalinvasive anterolaterale Zugang gewählt. Der Zugang erfolgt zwischen zwei Muskeln hindurch, so dass kein Muskel geschädigt, abgelöst oder gespalten werden muss.
- Das Standard-Implantat in der Klinik für Orthopädie und Traumatologie des St. Josef-Stiftes ist eine Endoprothese mit einer zementfreien Pfanne (Pressfit) und einem zementfreien Kurzschaft aus Titan.
- Bei schlechter Knochenqualität (z.B. Kalksalzminderung oder Osteoporose) muss ggf. der Endoprothesenschaft zementiert werden.
- Als Gleitpaarung verwenden wir ELEC®plus Keramik Inlays und Hüftköpfe, in Einzelfällen Polyethylen Inlays.
- Präoperativ wird eine digitale Planung an Hand aktueller Röntgenbilder durchgeführt.
- Die Operation dauert in der Regel 80 Minuten
- Die Operation erfolgt in Seitenlage und in Vollnarkose oder Spinal-Anästhesie.

Nachbehandlung
- Nach der Operation erfolgt bis zu 24 Stunden die Überwachung auf unserer Observationsstation.
- In der Regel dürfen unsere Patienten ihr künstliches Hüftgelenk sofort nach der Operation vollbelasten und bereits auf der Observationsstation einmal mit Hilfe aufstehen.
- In besonderen Fällen kann eine Teilbelastung notwendig sein, so dass sich die Anschlussheilbehandlung entsprechend verschieben kann.
- Es werden in der Regel keine Wunddrainagen verwendet.
- Der Wundverschluss erfolgt in der Regel mit einem selbstauflösenden Faden, so dass keine Entfernung notwendig ist.
- Unsere Physiotherapeut:innen unterstützen Sie bei der Mobilisation, zunächst mit dem Gehwagen, anschließend an Unterarmgehstützen.
- Sie dürfen am Tag nach der Operation duschen.
- Nach drei bis fünf Tagen kann die Anschlussheilbehandlung beginnen (www.reha-sendenhorst.de). Durch die enge Anbindung an unser Krankenhaus und die unmittelbare Zusammenarbeit unserer Abteilungen gehen keine Informationen verloren und kann der operierende Arzt im Bedarfsfall hinzugezogen werden.
- Nach Abschluss der Behandlung erhalten Sie Ihre Entlassunterlagen mit dem ärztlichen Brief, Röntgenaufnahmen, Laborwerte und den Prothesenpass zur Weiterbehandlung in Ihrer fachärztlichen Praxis, mit der wir einen engen Kontakt halten. In Einzelfällen ist eine Wiedervorstellung nach sechs Monaten erforderlich.

Arthrose des Kniegelenkes / Künstliches Kniegelenk
Wenn die Arthrose das Kniegelenk betrifft spricht man von einer Gonarthrose oder Kniearthrose. Sollte es trotz einer konservativen Therapie zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität und des Alltages kommen, empfiehlt sich die operative Therapie, zum Beispiel die Implantation eines künstlichen Kniegelenkes. Den Zeitpunkt einer möglichen Operation bestimmen Sie selber - in enger Abstimmung mit Ihrem Operateur.
Umstellungsosteotomie
Bei bestimmten Beindeformität (O-Bein oder X-Bein) mit einseitigem Verschleiß bzw. einseitigen Schmerzen, ist eine kniegelenksnahe knöcherne Umstellungsosteotomie zu empfehlen. Hierbei wird die Beinachse verändert, um die erkrankten Anteile des Gelenkes aus der Hauptbelastungszone herauszunehmen.
Künstliches Kniegelenk
Für den künstlichen Kniegelenkersatz gibt es zahlreiche verschiedene Modelle. Die richtige Wahl der Prothese hängt von anatomischen Verhältnissen, Voroperationen und Bandinstabilitäten ab. Eine ausführliche Diagnose erfolgt in der ambulanten Sprechstunde und wird ausführlich mit Ihnen erörtert.
- Der Zugang zum Kniegelenk erfolgt von vorne und ist ca. 15 cm lang
- Vor der Operation wird eine digitale Planung an Hand aktueller Röntgenbilder durchgeführt.
- Die Operation dauert in der Regel 90 Minuten
- Die Operation erfolgt in Rückenlage und in Vollnarkose oder Spinal-Anästhesie.

Verschiedene Kniegelenk-Implantate
- Künstliches Teilkniegelenk: Wenn die Arthrose nur bestimmte Anteile des Kniegelenks betrifft, ist gegebenenfalls der künstliche Ersatz nur eines Teiles des Kniegelenkes mit einer sogenannten Schlittenprothese möglich.
- Oberflächenersatzprothese: In den meisten Fällen ist eine Oberflächenersatzprothese das geeignete Modell. Hierbei werden am Ober- und Unterschenkel die knöchernen Gelenkflächen ersetzt. Am Oberschenkelknochen wird eine Schale und in den Unterschenkelknochen eine Plattform mit Knochenzement eingesetzt. Zwischen diese beiden Teile kommt ein künstlicher Meniskus aus Kunststoff (Polyethylen). Die Kniescheibe bleibt in der Regel erhalten.
- Achsgeführte Prothese: Bei Seitenbandinstabilitäten bzw. deutlichen Beindeformitäten ist gegebenenfalls eine achsgeführte Prothese geeignet. Hierbei ist das Ober- und Unterschenkelteil des künstlichen Gelenkes fest mit einander verbunden und hat somit eine größere Stabilität.
Nachbehandlung Knie
- Nach der Operation erfolgt bis zu 24 Stunden die Überwachung auf unserer Observationsstation.
- In der Regel dürfen unsere Patienten ihr künstliches Hüftgelenk sofort nach der Operation vollbelasten und bereits auf der Observationsstation einmal mit Hilfe aufstehen.
- Es werden in der Regel keine Wunddrainagen verwendet.
- Der Wundverschluss erfolgt in der Regel mit Klammern, die ca. 14 Tage nach der Operation entfernt werden müssen.
- Unsere Physiotherapeut:innen unterstützen Sie bei der Mobilisation, zunächst mit dem Gehwagen, anschließend an Unterarmgehstützen.
- Sie dürfen am Tag nach der Operation duschen.
- Nach drei bis fünf Tagen kann die Anschlussheilbehandlung beginnen (www.reha-sendenhorst.de). Durch die enge Anbindung an unser Krankenhaus und die unmittelbare Zusammenarbeit unserer Abteilungen gehen keine Informationen verloren und kann der operierende Arzt im Bedarfsfall hinzugezogen werden.
- Nach Abschluss der Behandlung erhalten Sie Ihre Entlassunterlagen mit dem ärztlichen Brief, Röntgenaufnahmen, Laborwerte und den Prothesenpass zur Weiterbehandlung in Ihrer fachärztlichen Praxis, mit der wir einen engen Kontakt halten. In Einzelfällen ist eine Wiedervorstellung nach sechs Monaten erforderlich.

Knick-Plattfuß (Pes planovalgus)
Ursachen
Der Knick-Plattfuß (Pes planovalgus) ist häufig eine angeborene Fehlstellung oder kann im Erwachsenenalter eine erworbene Fehlstellung sein, zum Beispiel durch eine Schwäche von Muskelsehnen, Verletzungen oder Frakturen sowie durch neurologische Erkrankungen wie z.B. Lähmungen.
Symptome
- Durch die Fehlstellungen kommt es zu einer Fehlbelastung und zu Schmerzen vor allem zunächst am Fußinnenrand und am Rückfuß, im Verlauf auch im Bereich des unteren und des oberen Sprunggelenkes.
- Bei anhaltender Fehlbelastung der Gelenke kann es zu Arthrose im unteren und oberen Sprunggelenk sowie Druckstellen und Reizungen am Fußrand kommen.
Behandlungsmöglichkeiten des Knick-Plattfußes bei Kindern und Jugendlichen
Konservative Therapie
- Kräftigung der Fußmuskulatur, zunächst unter krankengymnastischer Anleitung (z.B. nach dem Prinzip der Spiraldynamik), im Verlauf dann eigenständige Übungen
- Möglichst oft Barfußlaufen
- Dehnung der oft verkürzten Wadenmuskulatur (Musculus triceps surae)
- Aktivierende propriozeptive Schuheinlagen
Operative Therapie
Falls die konservative Therapie die Fehlstellung nicht zufriedenstellend korrigieren konnte, ist eine operative Therapie indiziert:
- Aufrichtung des Sprungbeins (Talus) und Korrektur der Rückfußachse durch Einbringen eines Implantates in den Sinus tarsi im Bereich des unteren Sprunggelenkes.
- Evtl. zusätzlich knöcherne Umstellung mit Verlängerung des seitlichen Anteils des Fersenbeins zur Korrektur der Fußabduktion (Osteotomie nach Evans)
Behandlungsmöglichkeiten des Knick-Plattfußes bei Erwachsenen
Konservative Therapie
- Kräftigung der Fußmuskulatur, zunächst unter krankengymnastischer Anleitung (z.B. nach dem Prinzip der Spiraldynamik), im Verlauf dann eigenständige Übungen
- Möglichst oft Barfußlaufen
- Dehnung der oft verkürzten Wadenmuskulatur (Musculus triceps surae)
- Aktivierende propriozeptive Schuheinlagen
- Tragen einer Innenschuhorthese (Typ Sendenhorst), die den Rückfuß stützt und die Beschwerden lindern kann
Operative Therapie
Beim Erwachsenen handelt es sich bei der konservativen Therapie um eine ausschließliche Behandlung der Symptome. Falls die konservative Therapie die Beschwerden nicht ausreichend lindern konnte, ist eine operative Therapie angezeigt:
- Bei leichteren Fällen kann das Verlagern einer benachbarten gesunden Sehne auf die geschädigte Sehne des M. tibialis posterior hilfreich sein, evtl. in Kombination mit einer knöchernen Umstellung mit Verlängerung des seitlichen Anteils des Fersenbeins (Osteotomie nach Evans).
- Bei schweren Fällen ist häufig eine Teilversteifung des unteren Sprunggelenkes (Double-Arthrodese) notwendig, um die Rückfußstabilität wiederherzustellen.
- In Extremfällen mit Ausbildung von schweren Arthrosen auch im oberen Sprunggelenk ist eine Versteifungsoperation von oberem und unterem Sprunggelenk ratsam.