Akute und chronische Wirbelsäulenbeschwerden

Unser Schwerpunkt liegt in der Diagnostik und Behandlung degenerativer Veränderungen der Hals- und Lendenwirbelsäule. Der Verschleiß führt häufig zu Rückenmarkkanalenge (Spinalkanalstenose), Instabilitäten und teils deutlichen Wirbelsäulenverkrümmungen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Arthrose der Wirbelgelenke, die vielfältige Beschwerden verursachen kann.

Hand hält ein Wirbelsäulenmodell, ein Stift zeigt auf einen Wirbel zur medizinischen Erklärung.

Diagnose und individueller Behandlungsplan

Akute und chronische Wirbelsäulenbeschwerden erfordern eine gründliche ärztliche Untersuchung, die Bewertung vorliegender Befunde und bei Bedarf zusätzliche Diagnostik. 

Bei unklaren Beschwerden oder vielfältigen Veränderungen kann neben der ambulanten Untersuchung auch eine stationäre diagnostische Abklärung erforderlich sein: Innerhalb weniger Tage erfolgen Zusatzuntersuchungen, gegebenenfalls auch Injektionen. Anschließend erläutern und erstellen wir einen individuellen Behandlungsplan – mit möglicher konservativer Weiterbehandlung, multimodaler Schmerztherapie oder Operation.

Enge des Rückenmarkkanals

Behandlung von Spinalkanalstenosen

Die Spinalkanalstenose gehört zu den häufigsten behandlungsbedürftigen Krankheitsbildern der Wirbelsäule im Erwachsenenalter. Sie entwickelt sich meist über einen längeren Zeitraum. Eine Spinalkanalstenose entsteht unter Belastungen des Alltages und durch nachlassende Höhe der Bandscheibe, häufig vor allem durch zunehmende Arthrose mit Verdickung der Gelenkflächen, aber auch der Gelenkkapseln an der Wirbelsäule. Betroffen ist vor allem die Lendenwirbelsäule (lumbale Spinalkanalstenose), aber auch die Halswirbelsäule.
 

Symptome

Die Mehrzahl der Patienten mit degenerativer Spinalkanalstenose hat einen Rückenschmerz. 

Das Leitsymptom der Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule ist die sogenannte Claudicatio spinalis, damit ist die verminderte symptomfreie Gehstrecke und Stehzeit, eine rasche Ermüdung der Beine, ein Schweregefühl und ausstrahlende Beinschmerzen sowie Gefühlsstörungen bis zu Lähmungen gemeint. Bei unbehandeltem Verlauf  bleibt die Symptomatik unverändert oder verschlechtert sich. 

An der Halswirbelsäule stehen Nacken- und Kopfschmerzen zumeist im Vordergrund, aber auch ausstrahlende Armschmerzen. Zudem entwickelt sich häufig im Zuge der zunehmenden Spinalkanalstenose schleichend eine Gangunsicherheit und gelegentlich auch Schwindel.

Chefarzt Dr. Christian Brinkmann erklärt einem Patienten anhand eines Wirbelsäulenmodells einen medizinischen Befund.
Diagnostik

Die klinischen und apparativen diagnostischen Möglichkeiten zur Diagnose einer Spinalkanalstenose haben sich deutlich verbessert. Die Diagnostik der Wahl ist das MRT( Kernspintomographie). Hier ist die Lokalisation und die Ausdehnung gut zu erkennen. Bei Patienten mit Herzschrittmacher ist nur eine Computertomographie möglich. Zudem sind aus unserer Sicht immer Röntgenaufnahmen erforderlich, um vor einer weiteren Therapieplanung Strukturveränderungen der Wirbelsäule im Sinne von Verkrümmungen und Instabilitäten erkennen zu können. Gelegentlich sind noch diagnostische Injektionen zur weiteren Abklärung notwendig, um den Rückenschmerz besser lokalisieren zu können.

Chefarzt Dr. Christian Brinkmann zeigt auf eine Röntgenaufnahme der Wirbelsäule auf einem Computerbildschirm.
Behandlungsmöglichkeiten

Die Zunahme der Lebenserwartung und der Ansprüche auf eine gute Lebensqualität führt immer mehr Menschen zu einem Wirbelsäulenspezialisten. Die Erwartungshaltung beschränkt sich daher weniger auf die Erhaltung des aktuellen Zustandes. Vielmehr wird die Wiederaufnahme von mehr Aktivität und mehr Lebensqualität  angestrebt. Unter Berücksichtigung von Symptomen und Untersuchungsbefunden sowie individuellen Riskofaktoren wird im Einzelfall die Therapie entschieden.
Unter konservativer Behandlung kann sich eine Spinalkanalstenose nicht zurückbilden, behandelt werden können nur die Symptome. Eine zu lange konservative Behandlung kann zu einer schlechteren Ausgangssituation für eine spätere operative Maßnahme führen, insbesondere wenn neurologische Ausfälle schon im Ruhezustand vorliegen. Zudem gilt es eine zunehmende Immobilisierung mit daraus resultierenden Komplikationen zu vermeiden.

Das Hauptziel der operativen Therapie ist die Erweiterung des Spinalkanales im Rahmen einer mikrochirurgischen Dekompression unter Erhalt der Stabilität. Dies kann an einer oder mehreren Stellen der Wirbelsäule in einer Operation durchgeführt werden. Dies gilt für die Hals- sowie die Lendenwirbelsäule.

Chirurgischer Eingriff: Hände von medizinischem Personal während einer Operation am Rücken.
Behandlung nach erfolgter Operation

Am Tag der Operation ist schon eine Mobilisierung möglich und nach einigen wenigen Tagen (ca. 5 – 8 Tage) kann die Entlassung aus der stationären Behandlung erfolgen. Ein Korsett ist nicht erforderlich. Eigenständige Übungen werden noch während der Behandlung im Krankenhaus erlernt und sollten anschließend selber durchgeführt werden. Eine Broschüre dazu händigen wir nach einer Operation aus.

Eine Person hält eine Broschüre mit Übungsanleitungen für den Rücken, im Hintergrund sitzt eine weitere Person.
Wirbelgleiten, Wirbelbrüche & Skoliosen

Behandlung von Instabilitäten & Verkrümmungen der Wirbelsäule

Verschleiß an der Wirbelsäule macht sich durch einen Höhenverlust der Bandscheiben und eine dadurch bedingte Mehrbelastung der Wirbelgelenke bemerkbar. In der Folge kommt es zur Ausbildung einer Arthrose. Neben einer Spinalkanalstenose kann dies auch zu Instabilitäten, Wirbelsäulenverkrümmungen (Skoliosen) mit Fehlbelastung und Schmerzen führen. Dieses betrifft vorrangig die Lendenwirbelsäule, aber auch die Halswirbelsäule.

Ursachen

Neben Arthrose können Instabilitäten auch nach Bandscheibenoperationen und Dekompressionsoperationen auftreten. Diese Instabilitäten fallen häufig durch erhebliche Schmerzen auf.

Auch anlagebedingtes Wirbelgleiten (Spondylolisthese) kann zu wiederkehrenden oder dauerhaften Schmerzzuständen führen.

Wirbelbrüche werden nicht immer sofort diagnostiziert, sondern erst dann, wenn bestehende Schmerzen nicht zurückgehen oder Schmerzen sogar zunehmen. Wirbelbrüche sind am häufigsten durch Sturz oder Osteoporose bedingt. Dann zeigt sich häufig eine behandlungsbedürftige Instabilität.
 

Symptome

Instabilitäten an der Wirbelsäule führen zur Fehlbelastung und Fehlfunktion und dadurch zu Schmerzen und fortschreitender Instabilität. Bei chronischen Veränderungen bildet sich auch eine zunehmende Arthrose aus, die wiederum zu Beschwerden führen kann.

Bei anlagebedingten instabilem Wirbelgleiten stehen neben den Rückenschmerzen auch die Beinschmerzen im Vordergrund durch die Irritation von Nervenstrukturen.

Akute oder chronische Wirbelbrüche führen zu Rückenschmerzen, die nicht immer dort lokalisiert sein müssen, wo der Bruch sich befindet.

Chefarzt Dr. Brinkmann erklärt einer Patientin anhand eines transparenten Wirbelsäulenmodells den Aufbau der Wirbelsäule und das Vorgehen während der OP.
Diagnostik

Neben der gezielten ärztlichen Untersuchung steht die apparative Diagnostik durch Röntgen, MRT (Magnetresonanztomographie) und CT (Computertomographie) im Mittelpunkt der Diagnostik. In Einzelfällen wird noch eine Kontrastmitteluntersuchung des Spinalkanales (Myelographie) durchgeführt, insbesondere in komplexen Fällen, auch z.B. nach bereits erfolgter Operation mit Implantat. Zudem kommen in bestimmten Fällen noch gezielte diagnostische Injektionen zum Einsatz, um die Ursache der Beschwerden genauer lokalisieren zu können, z.B. bei vielfältigen Veränderungen der Wirbelsäule. Bei Lähmungen ist auch in Einzelfällen noch eine gezielte neurologische Untersuchung sinnvoll. Bei Brüchen ist insbesondere das Ausmaß der Instabilität von Bedeutung.

Hand eines Patienten mit angeschlossenen Elektroden während einer neurologischen Messung.
Behandlungsmöglichkeiten

Bei chronischen Instabilitäten ist eine chirurgische Stabilisierung der Wirbelsäule (Spondylodese) sinnvoll und erforderlich, um die Ursache der Beschwerden gezielt behandeln zu können. Dies gilt sowohl für das Wirbelgleiten (Spondylolisthese), als auch die verschieden ausgeprägten Wirbelsäulenverkrümmungen (Skoliosen) und Instabilitäten nach Voroperationen. 

Das Ausmaß der Stabilisierungsoperation hängt individuell von verschiedenen Faktoren ab:

  • Statik der Wirbelsäule
  • Ausmaß der Instabilität oder Verkrümmung
  • Grad der Beschwerden
  • Individueller Allgemeinzustand
  • Persönliche Patientenziele, die mit dem operativen Eingriff verbunden werden

OP-Verfahren:

An der Hals- und Lendenwirbelsäule kommen gleichermaßen moderne sichere Titanimplantate zum Einsatz. An der Halswirbelsäule ist meist ein Bandscheibenersatz ausreichend. An der Lendenwirbelsäule wird daneben immer noch ein Schrauben-Stab-System erforderlich, um eine Formkorrektur sicher und vor allem dauerhaft erzielen zu können. 

Wir führen die operativen Eingriffe an der Brust- und Lendenwirbelsäule mit Implantat überwiegend einzeitig (d.h. in einer Operation) vom Rücken aus durch. An der Halswirbelsäule erfolgt der Zugang durch einen kleinen Schnitt vom Hals aus unter dem Mikroskop. Vorhandene Wirbelkanalengen werden in diesem Rahmen gleich mitbehandelt.
 

Behandlung von Wirbelbrüchen:

Bei Wirbelbrüchen kommen individuelle Konzepte zur Anwendung, je nach Instabilität und Schmerzen. Neben einer konservativen Behandlung, Physiotherapie und Schmerztherapie ist auch die operative Aufrichtung und Stabilisierung eines oder mehrerer Wirbelkörper durch Zement ein regelmäßig angewendetes Verfahren. 

Zudem werden auch Implantate eingesetzt: 

  • vorübergehend und minimalinvasiv, bis der Bruch ausgeheilt ist und das Implantat nach 9 bis 12 Monaten wieder entfernt werden kann
  • dauerhaft bei höhergradiger bruchbedingter Instabilität der Wirbelsäule
     
Behandlung nach erfolgter Operation

Bei normalem Verlauf ist nach einem Tag Bettruhe die Mobilisation mit Unterstützung der Pflegekräfte und Physiotherapie im Zimmer wieder möglich und auch sinnvoll. Grundsätzlich ist das Implantat dafür ausreichend stabil. 

Dauerhafte Stabilität wird durch das Einwachsen des Knochens in die Implantate erreicht. Dazu sind bestimmte Bewegungen zu vermeiden und Rücken gerechtes Verhalten im Alltag umzusetzen. Dies wird im Rahmen der stationären Behandlung erlernt, auch eine Broschüre wird dazu ausgehändigt. Unterstützend wird nach der Operation bei der Mobilisierung eine Orthese getragen, die individuell vor der Operation angepasst wird. 

Zum Ende des stationären Aufenthaltes sollte das Gehen auf dem Flur und der Treppe möglich sein, ggf. noch mit Hilfsmitteln wie Unterarmgehstützen oder Rollator, auch abhängig vom Mobilitätszustand vor der Operation und Begleiterkrankungen. Bei vorbestehenden Lähmungen und unzureichender Mobilität ist ggf. noch eine direkte Rehabilitationsbehandlung erforderlich. Diese beantragen wir in Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst des St. Josef-Stifts für Sie.

Zuhause sind eigenständig Übungen, die erlernt wurden, fortzusetzen. Gegebenenfalls ist zunächst noch physiotherapeutische Behandlung erforderlich.

Eine geplante Implantatkontrolle findet im Normalfall drei Monate nach der Operation nach Terminvereinbarung auf Überweisung Ihrer orthopädischen Praxis bei uns ambulant statt. Bei korrekter Lage des Implantats kann – falls gewünscht – dann eine Anschlussrehabilitation begonnen werden, sofern diese zuvor beantragt und genehmigt wurde.

Behandlung von Bandscheibenvorfällen an Hals- und Lendenwirbelsäule

Chronischer Verschleiß an der Bandscheibe führt häufig durch Alltagsbelastungen zu Rissbildungen am kräftigen Faserring der Bandscheibe und damit zu einer möglichen Öffnung, aus der Bandscheibenmaterial austreten kann. Es gibt allerdings auch den akuten Bandscheibenvorfall, der durch eine plötzliche Drucksteigerung in der Bandscheibe zu einem Austreten von Bandscheibengewebe führen kann.

Symptome

Entsprechend der Lage des Bandscheibenmaterials kann dies abhängig von der Lokalisation Hals- oder Lendenwirbelsäule zu Rückenschmerzen oder Nackenschmerzen, aber auch zu Bein- bzw. Armschmerzen führen. Zudem können Lähmungen eintreten, und im Extremfall kann es auch zu unwillkürlichem Harn- oder Stuhlverlust sowie einer Querschnittslähmung kommen.

Diagnostik

Zunächst ist eine ärztliche Untersuchung erforderlich, um Lähmungen oder weitere Anzeichen für einen Bandscheibenvorfall feststellen zu können. Abgesichert wird der Untersuchungsbefund durch die MRT-Diagnostik (Kernspintomographie). Üblicherweise kann hier die Lage und Größe des Bandscheibenvorfalles ausreichend gut beurteilt werden.

Behandlungsmöglichkeiten

Abhängig davon, ob eine Lähmung vorliegt und wie ausgeprägt sie ist, kann über eine weitere konservative oder operative Therapie entschieden werden.

Konservative Therapie

Stehen Schmerzen im Vordergrund oder besteht nach ärztlicher Einschätzung nur eine geringgradige Lähmung ist überwiegend die konservative Therapie zunächst die Behandlung der ersten Wahl. Hier besteht die Möglichkeit einer medikamentösen Schmerzbehandlung und Physiotherapie sowie durchaus auch einer Rehabilitationsbehandlung. 

Operative Behandlung

Nur bei sehr großen Bandscheibenvorfällen, hartnäckigen und unzureichend behandelbaren Beschwerden oder Befundänderung im Verlauf sollte die Operation erwogen werden.

Bei höhergradiger Lähmung ist der Arzt verpflichtet, die Operation zu empfehlen, um dauerhafte Lähmungen vermeiden zu können. Bei akut eingetretener hochgradiger Lähmung ist die Wahrscheinlichkeit der Rückbildung der Lähmung ohne eine Operation deutlich geringer als bei einer langsam entwickelten Lähmung.

Ist die Operation erforderlich, wird minimalinvasiv unter dem OP-Mikroskop das aus der Bandscheibe in den Rückenmarkkanal ausgetretene Gewebe entfernt. 

An der Lendenwirbelsäule wird die gesamte Bandscheibe üblicherweise nicht entfernt, damit das Risiko für eine später auftretende Instabilität der Wirbelsäule minimiert wird. 

An der Halswirbelsäule hingegen ist fast immer die Entfernung des gesamten Bandscheibenmaterials das Ziel, und zum Ende der Operation wird die Halswirbelsäule im betroffenen Abschnitt durch einen kleinen Bandscheibenersatz stabilisiert. Dies ist erforderlich, da das Rückenmark in diesem Bereich besonders empfindlich ist. Hier kommen sogenannte Cages und Bandscheibenprothesen zum Einsatz, abhängig davon, wie weit fortgeschritten die übrigen Veränderungen der Wirbelsäule sind.

Chefarzt Dr. Brinkmann und Patientin stehen an einem Tisch und betrachten gemeinsam ein kleines Wirbelsäulenmodell.
Behandlung nach erfolgter Operation

Eine Mobilisation ist noch am OP-Tag möglich. Nach Eingriffen an der Lendenwirbelsäule ist das lange Sitzen nach einer OP nicht ratsam, da dies den Druck in der Bandscheibe erheblich erhöht und dadurch auch die Wahrscheinlichkeit für einen erneuten Austritt von Bandscheibenmaterial. Die Schwachstelle muss erst wieder ausreichend stabil werden. 

Die stationäre Behandlung nach der Operation dauert im Normalfall nur 3 – 5 Tage, bis eine ausreichende Mobilisation erfolgt ist. Eine ambulante oder stationäre Rehabilitationsbehandlung schließt sich dann sinnvoller Weise unmittelbar an.

Erklärvideos zur Spinalkanalstenose

Ursache, Diagnose und Behandlung von Wirbelsäulenerkrankung leicht verständlich erklärt:

Spinalkanalstenose an der Lendenwirbelsäule (LWS)
Spinalkanalstenose der Halswirbelsäule (HWS)
Spinalkanalstenose an Hals- und Lendenwirbelsäule - Update 2023
Der enge Spinalkanal - Rücken-OP & Narkose bis ins hohe Lebensalter