Nachhaltigkeit als Unternehmensziel
Nachhaltigkeit im Krankenhaus heißt für das St. Josef-Stift: Qualität, langfristiges Handeln und ein verantwortungsvoller Umgang mit Energie, Wasser und Ressourcen. Ein zentraler Hebel ist dabei das nachhaltige Bauen und Energie-Effizienz– mit langlebigen Materialien und moderner Gebäudetechnik für wirksamen Klimaschutz.

Lokal handeln - aus Überzeugung
Krankenhäuser haben durch medizin-technische und hygienische Anforderungen einen hohen Ressourcenbedarf – umso wichtiger ist eine klare Nachhaltigkeitsstrategie. Im St. Josef-Stift spielt Nachhaltigkeit bereits seit den 1980er Jahren bei Entscheidungen eine wichtige Rolle, z. B. im baulichen Bereich und bei der regional und saisonal ausgerichteten Speisenversorgung. Das Kuratorium als Trägergremium hat Nachhaltigkeit als weiteres Unternehmensziel verankert.

Nachhaltiges Bauen im St. Josef-Stift
Nachhaltiges Bauen verbindet Klimaschutz, Energieeffizienz und ein Umfeld, in dem sich Patient:innen und Mitarbeitende wohlfühlen.
Beispiele für umgesetzte bzw. laufende Maßnahmen (Auswahl):
- LED-Umstellung: Beleuchtung zu mehr als 50 % umgestellt (inkl. Umstellung der gesamten Parkplatzbeleuchtung).
- Energie-Optimierung der Lüftungstechnik (z. B. Schaltzeiten OP, Wärme-Rückführung).
- Wärmeverluste reduzieren: Fassaden- und Fensterelemente (inkl. Beschattung) in über 90 % des Gebäudebestands optimiert; Klausurgebäude wird nach aktuellen KfW-Standards isoliert.
- Eigenstromanteil erhöhen: u. a. Blockheizkraftwerke und Photovoltaik
- Dachbegrünung auf zahlreichen Flachdächern (z. B. Reha) zur Dachisolierung und Verbesserung des Mikroklimas.

Die Sonne liefert Strom
Seit Anfang 2024 liefert die Sonne Strom für das St. Josef-Stift. Auf den Flachdächern von Südflügel, Parkflügel, Reha-Zentrum A und B sowie der Tagespflege St. Elisabeth wurden Photovoltaik-Module montiert. Einschließlich der Neubauten an der Pennigstiege und der Reha C werden bis 2028 insgesamt 1.710 Module auf einem Großteil der Flachdächer des St. Josef-Stift-Campus installiert. So entsteht eine Photovoltaikfläche von circa 3.410 m² mit einer Leistung von 780 kWp (zum Vergleich: Ein Einfamilienhaus ca. 10 kWp).
Der Solarstrom deckt rund zehn Prozent des zukünftigen Gesamtstrombedarfs der geplanten baulichen Maßnahmen auf dem Campus. Er wird ohne Zwischenspeicher direkt in den Stiftsgebäuden verbraucht. Dafür wurden elf Wechselrichter installiert; außerdem werden 20.500 Meter neue Leitungen für Gleich- und Wechselstrom verlegt.
Erdwärme reduziert fossilen Energiebedarf
In den Parkanlagen des St. Josef-Stifts und unter dem Gebäude der neuen Reha-Erweiterung sind Erdsondenfelder mit 68 Einzelbohrungen mit je 150 Meter Tiefe entstanden. Ein zweites Erdsondenfeld mit zusätzlichen 88 Einzelbohrungen wird bis zum Frühjahr 2026 in der naturnahen Parkfläche erschlossen. Die bisher erdgasbasierte fossile Wärmegewinnung wird damit größtenteils auf die erneuerbare und regenerative oberflächennahe Erdwärmeversorgung umgestellt.
Der besondere Vorteil der Geothermie ist die ganzjährige Nutzung: Im Winter wird mithilfe der Erdwärme und der Wärmepumpen für die Gebäude Wärme erzeugt. Von Mitte April bis Mitte Oktober wird in den Erdspeicher Wärme wieder zurückgeführt. Die dabei entstehende Kälte ist ein „Abfallprodukt“ und wird im Sinne der Klimaanpassung zur Klimatisierung (Kühlung) der Gebäude verwendet und ersetzt damit herkömmliche Kühlaggregate.
Über die Geothermie wird das St. Josef-Stift circa zwei Drittel seines zukünftigen Wärmebedarfs decken können. Durch den erheblich wachsenden Gebäudebestand wird der Wärmebedarf von aktuell rund 11 Millionen Kilowattstunden auf etwa 15 Millionen Kilowattstunden steigen. Gleichzeitig wird mit dem Einsatz der Geothermietechnologie der CO2-Ausstoß signifikant sinken: Von aktuell 2.228 Tonnen CO2 jährlich auf dann nur noch 778 Tonnen CO2, eine Einsparung klimaschädlicher Gase von rund zwei Drittel der bisherigen Emissionen.

Klimaschutz durch moderne Pumpentechnik
Neben erneuerbaren Energien entstehen weitere CO₂-Einsparungen bei der Wärmegewinnung zum Beispiel durch Anlagenoptimierung, Hocheffizienzpumpen und hydraulischen Abgleich, weil dadurch weniger Strom und Gas verbraucht werden.
Das warme Wasser für die Heizung und das Brauchwasser, das aus jedem Wasserhahn fließt, werden mit Hilfe von Pumpen in jeden Gebäudeteil transportiert. Heutige Hocheffizienzpumpen sind elektronisch gesteuert und passen den Pumpbedarf automatisch an den Verbrauch an.
Alte Pumpen verbrauchten deutlich mehr Strom: früher 700 Watt, heutige Pumpen 100 Watt – deshalb wurden viele Pumpen ausgetauscht; inklusive Kälteanlagen sind rund 100 Pumpen im Einsatz.
Zusätzlich wurde durch hydraulischen Abgleich die Zirkulation im Leitungssystem reduziert: von ca. 10.000 Litern pro Stunde auf ca. 6.000 Liter pro Stunde, wodurch weniger Wärmeverluste nachgeheizt werden müssen – bei gleichmäßiger Warmwasserversorgung und ausreichender Temperatur zur Legionellenprävention.

Vermeidung von Speiseabfällen
In der Hauptküche werden täglich 1.300 Mahlzeiten für Patient:innen, Bewohner:innen und Mitarbeitende zubereitet; die Zutaten werden überwiegend frisch, saisonal, teilweise in Bio-Qualität aus der Region bezogen.
Fakten & Ansatzpunkte:
- Messung im Rahmen einer Bachelorarbeit: In 5 Tagen fielen allein bei Frühstück und Mittagessen 557 kg Tellerreste (St. Josef-Stift und Reha-Zentrum) an.
- Wichtig: Was einmal ausgegeben wurde, darf aus Hygienegründen nicht wiederverwertet werden.
- Besonders häufig gingen Brot und Brötchen zurück (60 % der Frühstücksreste).
Konkrete Maßnahmen (bereits umgesetzt/angegangen):
- Portionsgrößen realistischer bemessen, u. a. mit Muster-Portionstellern am Verteilband.
- Nachhaltigkeits-AG in der Küche, die laufend Einzelmaßnahmen umsetzt (z. B. Portionen anpassen).

Reduzierung von Kunststoffverpackungen
Das Küchenteam hat zur Vermeidung von Einweg-Kunststoffverpackungen bereits mehrere Lösungen umgesetzt – mit dem Ziel, Kunststoff dort zu reduzieren, wo es hygienisch möglich ist.
Umgesetzte Beispiele (Auswahl):
- „Essen auf Rädern“ wird auf Porzellangeschirr ausgeliefert – nicht in Einweggefäßen.
- Dessert wird selbst hergestellt und in Porzellanschälchen angerichtet (spart viele tausend Plastikbecher mit Aludeckel).
- Rückstellproben: wöchentlich 175 Einweg-Kunststofftöpfchen eingespart durch spülbare, wiederverwendbare Gefäße.
- Transport in Altenheime: einzelne Bestellungen (z. B. Tomaten/Obst) statt Plastik in Papiertüten oder wiederverwendbaren Schraubgläsern.
- Essenstransportwagen fürs Reha-Zentrum werden nicht mehr mit Folie umwickelt – das spart 5 große Folienrollen pro Woche.
